Vladimir Nabokov: Pnin

nabokov_pnin_lesungNabokovs resignative Einsicht »Bekannt ist Lolita – ich bin es nicht« stimmt mehr oder weniger auch noch heute. Das wundervolle literarische Werk dieses sprachlich außergewöhnlich sensiblen und humorvollen Schriftstellers, der gleich in zwei Sprachen brilliert hat, ist, im Vergleich zum Skandalbuch Lolita, dessen Skandal noch dazu auf einem Missverständnis nicht alltäglichen Ausmaßes beruht, kaum bekannt. Dabei hätte Nabokov durchaus ein so breites Publikum verdient wie etwa John Irving oder Wladimir Kaminer.

Pnin wurde unmittelbar nach Lolita geschrieben (für die Nabokov zu diesem Zeitpunkt noch immer einen Verleger suchte) und erzählt die Geschichte des russischen Emigranten Timofey Pavlovich Pnin, der sich in den USA an einem provinziellen Ostküsten-College als Gelehrter durchschlägt. Pnin versammelt alle Eigenschaften in sich, die einen russischen Emigranten zum Außenseiter stempeln: Er ist im Habitus noch immer sehr europäisch, hat die englische Sprache nur unzureichend gelernt, lebt als eingesponnener Gelehrter noch ganz aus der europäischen Tradition heraus. Aber Pnin ist nicht nur eine komische Figur, er ist auch bei Kollegen am College unbeliebt und wird angefeindet und muss am Ende das College verlassen; seine Zukunft bleibt ungewiss.

Nabokov hat in diesem Roman sowohl seine eigenen Erfahrungen als Emigrant und College-Professor als auch seine Beobachtungen anderer Emiganten verarbeitet. Sein Humor reicht vom Leis-ironischen bis zum Slapstick, die Spannbreite des Tons vom Burlesken bis zum echt Tragischen.

Die Komplettlesung des Textes in der ausgezeichneten Übersetzung Dieter E. Zimmers durch Ulrich Matthes ist ein Fall, in dem die Lesung eine echte Bereicherung der eigenen Lektüre sein kann. Zu Anfang hält man sie vielleicht für ein wenig zu harmlos, aber spätestens wenn Pnin durch Matthes’ Mund zu sprechen anhebt, wird er zu einer runden und lebendigen Figur.

Vladimir Nabokov: Pnin. In der Übersetzung Dieter E. Zimmers vollständig vorgelesen von Ulrich Matthes. Berlin: Der ›Audio‹ Verlag, 2002. 6 Audio-CDs mit ca. 7 Stunden Spielzeit. Ca. 25,– €.

2 Gedanken zu „Vladimir Nabokov: Pnin“

  1. Mir war dieses Buch das letzte Nabokovsche Lesevergnügen aus seiner englischen Feder…
    ich liebe die in russisch verfaßten Bücher, Pnin nun ist in englischer Sprache verfaßt, handelt aber von einem nach USA verpflanzten Russen

    dieses Buch habe ich noch gelesen, die weiteren englischen Werke „gingen nicht mehr an mich“ ..

    der Wechsel in eine andere Sprache ist eben auch ein Einschnitt im Werk und ich hänge Nabokov’s russischem Werke nach..

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