Bernhard Schlink: Sommerlügen

978-3-257-06753-8 Männer lügen. Sie lügen, weil es bequem ist, weil sie glauben, damit durchzukommen, weil sie emotional distanziert oder auch weil sie geile Trottel sind. Trottel sind sie auf jeden Fall. Hier und dann lügt auch einmal eine Frau, aber wahrscheinlich ist es nur eine Alibi-Lüge oder eine Quoten-Lüge, damit der Autor nicht in den Verdacht gerate, er schreibe genau den Unfug, den er schreibt.

Wie entfernt muss ein Autor von der Existenz seiner eigenen Figur sein, um zum Beispiel so etwas zu schreiben:

Auch ihn schlugen seine Eltern manchmal. Aber wenn es geschah, akzeptierte er es als Reaktion auf eine Torheit, die er begangen hatte. (91)

Wie durch und durch taub für Dialoge, um einen Satz wie diesen zu verfassen:

Du willst vielleicht wissen, warum ich dir nicht geglaubt habe und ihr glaube – ich höre in der Stimme einer Frau besser, ob sie die Wahrheit sagt oder lügt, als in der eines Mannes. (79)

Und den Unterschied zwischen »auf« und »offen« sollte ein Autor auch beherrschen, wenn ihn schon nicht eine Wortwiederholung vor einem stilistischen Patzer bewahrt:

Die Tür stand auf, und er setzte sich auf den Fahrersitz. (120)

Wahrscheinlich endgültig das letzte Buch von Bernhard Schlink, das ich lesen werde.

Bernhard Schlink: Sommerlügen. Geschichten. Zürich: Diogenes, 2010. Leinen, Lesebändchen, 279 Seiten. 19,90 €.

3 Gedanken zu „Bernhard Schlink: Sommerlügen“

  1. Wenn ich merke, daß ein Autor, mit dem ich einen Teil meiner kostbaren Lebens- und Leseszeit verbringen soll, sein Handwerkszeug, Sprache und Stil, nicht beherrscht, klappe ich das betreffende Buch meist sofort zu. Den Luxus des Zuende-Lesens aus Prinzip habe ich mir schon vor Jahren verboten. 🙂 ((Schlink war mir übrigens schon immer suspekt.))

  2. Ach, mit Prinzip hat das wenig zu tun. Bei eines Sammlung von Erzählungen hangele ich mich schlicht von Stück zu Stück.

    Schlink hatte aufgrund des Vorlesers, den ich immer noch für eine weit überdurchschnittliche Erzählung halte, lange Zeit einen erheblichen Kredit, der aber von den letzten beiden Büchern komplett aufgezehrt wurde.

  3. Ich fand die o.g. Schwächen (und andere) hatte auch schon „Der Vorleser“. Damit war bereits dies das letzte Buch von Schlink, das ich las. (Den ich im Übrigen als Verfassungsrechtler sehr schätze.)

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