Sophokles: Antigone

Er komme, komme!
Erscheine, der Tode Schönster,
Der den letzten Tag mir bringt,
Er, der Höchste! –
Er komme, komme! daß ich nicht
Den anderen Tag noch sehn muß!

[Wolfgang Schadewaldt]

Gefühlt die 20. Lektüre seit meiner Schulzeit, einmal mehr aus didaktischem Anlass, diesmal in der wohl recht neuen Übersetzung von Kurt Steinmann bei Reclam. Begegnet bin ich dem Stoff allerdings zuerst als laienschauspielender Schüler in der Bearbeitung von Jean Anouilh. Dann habe ich im Studium manche Stunde über der Hölderlinschen Übersetzung rätselnd zugebracht, zu der ich auch wieder erst über einen Umweg gekommen bin, nämlich der Brechtschen Bearbeitung von 1948, die versucht, den Stoff als Widerstandsstück gegen einen Unrechtsstaat zu lesen. Und schließlich bin ich dann – wie bei so vielen anderen Texten – bei Wolfgang Schadewaldt hängen geblieben, der Sophokles in einer ganz merkwürdigen Schwebe zwischen Lakonismus und Pathos zu halten versteht, dessen Übersetzungen aber wohl gerade untergehen, da ihr Verfasser in politische Ungnade gefallen ist.

Der Stoff des Mythos dürfte wohl bekannt sein oder kann wenigstens leicht an zahlreichen Stellen gefunden werden, deshalb hier nur eine ganz kurze Erinnerung: Antigone, die Tochter des König Ödipus, folgt dem Gebot der Götter und bestattet entgegen dem Verbot ihres Onkels Kreon ihren Bruder Polyneikes. Der ist bei dem Versuch, die Herrschaft über Theben seinem Bruder Eteokles gewaltsam zu entreißen, ebenso wie dieser auf dem Schlachtfeld geblieben. Während Eteokles als Beschützer der Stadt mit allen Ehren beigesetzt wird, soll Polyneikes nach dem Willen des neuen Herrschers Kreon als Staatsfeind Nr. 1 auf dem Schlachtfeld verrotten. Antigone wird bei der Wiederholung des Bestattungsrituals auf frischer Tat ertappt, verhaftet, verhört und zum Tode verurteilt. Um sich durch deren Hinrichtung nicht den Zorn der Götter zuzuziehen, mauert man sie bequem in eine Höhle vor der Stadt ein. Als sich Kreon endlich eines anderen – um nicht zu sagen: Besseren – besinnt, ist es zu spät: Antigone hat sich erhängt, Kreons Sohn, der mit Antigone verlobt war, versucht zuerst den Vater zu töten und stürzt sich dann zu Füßen der toten Braut in sein Schwert, woraufhin sich notwendigerweise auch Kreons Frau Eurydike umbringt. Auf der Bühne bleibt der dem Wahnsinn nahe Alleinherrscher zurück, der ebenfalls nur noch den Tod herbeisehnen kann. Man sieht: ganz großes Kino!

Schwierig aber wird es, das Stück zu interpretieren, und es wird je schwieriger, je länger man darüber nachdenkt. Was vergleichsweise noch als einfach erscheint, ist, die Intention des Autors zu verstehen: Sophokles beweist sich auch in seinen anderen Stücken als ein Konservativer, der seinen säkularen Zeitgenossen den moralisierenden Spiegel vorhalten und sie daran erinnern will, dass die Gebote der Götter denen der Menschen in einem absoluten Sinne vorgehen und sich derjenige sträflich verhält, der beim Erlass weltlicher Gesetze gegen die der oberen wie der unteren Götter verstößt.

Leider kann nun mit einigem Fug behauptet werden, dass dem so sein mag, wie es will, dass aber das Stück gerade das nicht zeigt. Dazu muss man sich klar machen, dass eine säkulare Diskussion über die Geltung religiöser Wertesysteme in Griechenland seit mindestens 100 Jahren geführt wurde – Xenophanes berühmte Feststellung, dass wenn die Pferde Götter hätten, sie wie Pferde aussehen würden, markiert die späteste Grenze, die wir für den Beginn einer solchen Diskussion ansetzen müssen –, als „Antigone“ auf der Bühne erschien. Leider können wir auch nicht die Ausrede gelten lassen, Sophokles behandle hier einen Mythos, also Ereignisse aus quasi prähistorischen Zeiten, da keiner der Interpreten des Stückes jemals bezweifelt hat, dass der Autor kein Historiendrama liefert, sondern unmittelbar zu seinen Zeitgenossen spricht. Die absolute Geltung der Gebote der Götter kann also weder für den Autor noch für sein Publikum fraglos vorausgesetzt werden.

Wenn dies aber der Fall ist, so unterminiert dies die vom Autor intendierte Verteilung von Schuld und Sühne im Stück, sprich: Die Protagonisten werden von Vertretern einer objektiven Werte- und Weltordnung auf Vertreter zweier diskursiv gegeneinander abzuwägender Glaubenssysteme reduziert. Und genau dieser Diskurs findet im Stück nicht statt. Im Gegenteil führt das Stück zwei zur Kommunikation miteinander unfähige Einzelne vor, von denen einer die faktische Macht über die andere hat und diese Macht auch ausübt. Daraus folgt denn auch, dass nichts an der Peripetie des Stückes überzeugt, da der Autor keine Gründe für den plötzlichen Umschwung in der Überzeugung Kreons anzuführen weiß: Ist Kreon in Vers 1063 noch der (wahrscheinlich vollständig korrekten) Überzeugung, die Warnungen des Sehers Teiresias seien von seinen, Kreons, politischen Gegnern finanziert worden, so ist er, ohne dass weitere Gründe hinzutreten würden, nur 32 Verse später in seinem Geist verstört‘. Von diesem Moment an bricht das rationale System Kreons weitgehend unmotiviert zusammen, und dieser Zusammenbruch wird mit Hilfe der zahlreichen Toten am Ende des Stücks bis an die Grenze des Wahns vorangetrieben. Das mag man dramaturgisch (und eventuell auch noch psychologisch) durchwinken wollen, es mogelt sich aber gerade um die zentrale Frage des Stücks herum, ob ein religiöses Wertesystem einen absoluten Vorrang vor einem staatsdienlichen hat oder haben soll.

Es muss der Verdacht bestehen, dass Sophokles diese Schwäche des Stücks – die sich letztendlich aus dem stofflichen Widerstand des Mythos gegen seine tagespolitische Zurichtung ergibt – durchaus erkannt hat. Nicht umsonst endet das Stück im Raunen (und geraunt wird immer dort, wo man etwas vorzeigen möchte, dies aber nicht vermag):

CHOR. Weitaus erste Bedingung des Glücks
ist das vernünftige Denken; man darf die Sphäre der Götter
niemals entheiligen; doch große Worte
der über die Maßen Stolzen lehren,
haben sie unter großen Schlägen gebüßt,
im Alter vernünftiges Denken. [Steinmann]

Das weitaus Erste an höchstem Glück
Ist Besonnensein. Und not auch ist,
Vor den Göttern nie zu verletzen die Scheu.
Doch große Worte Großprahlender,
Wenn mit großen Schlägen sie gebüßt,
Haben im Alter gelehrt die Besinnung. [Schadewaldt]

Von allen Gnaden die höchste doch bleibt
Der verständige Geist. Und der Götter Bereich
Entweihe man nicht! Doch gewaltiges Wort
Hoffärtiger büßt mit gewaltigem Sturz:
Draus lernt sich im Alter die Weisheit. [Reinhardt]

Hoch raget gewiß vor Gütergenuß
Die Bedachtsamkeit. Frevle drum nie
Gegen die Gottheit. Das gewaltige Wort,
In gewaltigem Schlag doch büßend einmal
Den Empörungsmut,
Lehrt endlich im Alter Besinnung. [Solger]

Um vieles ist das Denken mehr, denn
Glückseeligkeit. Man muß, was Himmlischer ist, nicht
Entheiligen. Große Blike aber
Große Streiche der hohen Schultern
Vergeltend,
Sie haben im Alter gelehrt, zu denken. [Hölderlin]

Χορός
πολλῷ τὸ φρονεῖν εὐδαιμονίας
πρῶτον ὑπάρχει. χρὴ δὲ τά γ᾽ εἰς θεοὺς
μηδὲν ἀσεπτεῖν. μεγάλοι δὲ λόγοι
μεγάλας πληγὰς τῶν ὑπεραύχων
ἀποτίσαντες
γήρᾳ τὸ φρονεῖν ἐδίδαξαν.

Sophokles: Antigone. Übersetzt von Kurt Steinmann. Reclam XL 19244. Stuttgart: Reclam, 2016. Broschur, 110 Seiten. 4,60 €.

P.S.: Ergänzend von Andre Gottwald:

Hesiod: Theogonie

Hesiod-TheogonieIm Jahr 2008 erschienen zwei Bücher Raoul Schrotts: zum einen eine Übersetzung von Homers „Ilias“ und zum anderen mit unmittelbarem Bezug zu dieser Übersetzung der Band „Homers Heimat“, der einen kleinen Sturm im Wasserglas der Al­ter­tums­wis­sen­schaf­ten auslöste. Schrott macht sich in diesem Buch in einer komplexen und quel­len­ge­sät­tig­ten Argumentation für die Hypothese stark, Homer als einen kilikischen Autor zu lesen, seine Herkunft und die von ihm verarbeitete lebensweltliche Wirklichkeit also in den östlichen Mittelmeerraum, genauer an die Südost-Küste der Türkei zu verlegen.

Schrotts gerade erschienene „Theogonie“ stellt eine Variation desselben Themas dar: Er liefert zu seiner Übersetzung des Textes einen umfangreichen Anhang, in dem er den Einflüssen nachspürt, den die Mythen des östlichen Mittelmeerraums auf den griechischen Ent­wurf der Göt­ter­welt gehabt haben könnten. Er behauptet im Falle Hesiods nicht, dass ihm – wie er das für Homer wahrscheinlich ma­chen möchte – eine schriftliche Fassung der verarbeiteten Mythen vorgelegen habe, sondern geht in diesem Fall von einer mündlichen Tradierung der entsprechenden Stoffe aus. Schrott steht mit dieser Sicht, die von einer vielfältigen Verbindung und Verschränkung der diversen Kulturräume des Mittelmeers ausgeht, durchaus nicht allein; er ist nur derjenige, der diese Einsichten außerhalb der reinen Fach­dis­kus­sion zuerst thematisiert hat.

Wen die Verknüpfungen der alten Kulturen im Mittelmeerraum in­ter­es­sie­ren, findet hier reichhaltigen Stoff und Anregungen zur weiteren Lektüre. Verständlicherweise ist auch Schrotts Übersetzung sehr stark von seiner Grundthese beeinflusst. Es kann sich daher hier und da lohnen, eine zweite, konservativere Übersetzung zu Schrotts Text der „Theogonie“ parallel zu lesen.

Hesiod: Theogonie. Übersetzt und erläutert von Raoul Schrott. München: Hanser, 2014. Bedruckter Pappband, bedruckte Vorsätze, 216 Seiten. 19,90 €.

Drei Symposien

… und sie seien genötigt worden, ohne jede Ordnung Unmengen von Wein zu trinken.

Bei der sogenannten Symposienliteratur handelt es sich um das antike Pendant zur Talkshow: Der Autor lässt mehr oder weniger berühmte Zeitgenossen zusammenkommen, die sich bei Gelegenheit eines abendlichen Festes mehr oder weniger intelligent über philosophische, politische oder auch einfach nur tagesaktuelle Themen unterhalten. Dabei tut es in der Antike wenig zur Sache, ob diese Gespräche tatsächlich so stattgefunden haben, so wie es heute wenig zur Sache tut, ob die Politiker das tatsächlich glauben, was sie von sich geben, oder ob irgend etwas von dem Gesagten richtig ist.

Urmuster aller Symposienliteratur sind – wenigstens aus unserer Sicht – zwei Texte: Das Platonische »Gastmahl« und das sich offensichtlich auf diesen Text beziehende Buch Xenophons mit demselben Titel. Allerdings sind diese beiden Vorlagen von höchst unterschiedlichem literarischen Gewicht, was man besonders deutlich spürt, wenn man beide unmittelbar nacheinander liest. In beiden tritt als zentrale Figur der Philosoph Sokrates auf, der aber von beiden Autoren, die beide das lebende Vorbild persönlich gekannt haben, sehr unterschiedlich geschildert wird; doch dazu später noch ein paar Sätze.

978-3-15-018435-6Platons »Symposion« nimmt den Sieg des Philosophen und Schriftstellers Agathon, eines der Schüler des Sokrates, mit seiner ersten Tragödie bei einem der Feste zu Ehren des Dionysos (wahrscheinlich im Jahr 416 v. u. Z.) zum Anlass für ein abendliches Gelage. Es ist der Tag nach dem Sieg; bereits am Vorabend haben der Dichter und einige seiner Freunde ein ausschweifendes Fest gefeiert, von dem die nun im Hause des Agathon zusammenkommenden Freunde noch gezeichnet sind. Man beschließt deshalb gleich zu Anfang des Festes, heute Mäßigkeit walten zu lassen und sich nicht wieder so zu besaufen wie am Vortag. Stattdessen will man lieber ein kultiviertes Gespräch pflegen, wozu der Sokrates-Schüler Phaidros das Thema vorgibt: den Gott Eros, dessen Kult unverständlicher Weise nicht seiner umfassenden Stellung im Kosmos entspreche.

Am Fest nehmen vorerst außer dem Gastgeber und den schon erwähnten, Sokrates und Phaidros, drei weitere Gäste teil: der Adelige Pausanias, der Arzt Eryximachos und der Komödienautor Aristophanes. Es wird beschlossen, dass jeder der Anwesenden reihum eine Rede auf den Eros halten solle, wobei der Gott Dionysos selbst als Schiedsrichter angerufen wird, der am Ende entscheiden solle, wer die beste Rede gehalten habe.

Phaidros, der das Thema vorgeschlagen hat, beginnt: Er erklärt Eros für die älteste aller Gottheiten, der es zu verdanken ist, dass überhaupt Ordnung (κόσμος) aus dem ursprünglichen Chaos entstanden sei. Insofern sei Eros der Ursprung aller anderen Götter und ihm sollte als alles durchdringendes Prinzip gehuldigt werden. Phaidros’ sehr allgemein gehaltenen Ausführungen folgt die Rede des Pausanias, der zwischen zwei Formen des Eros unterscheiden möchte: Ebenso wie sich die himmlische Aphrodite (A. urania) von der gewöhnlichen Aphrodite (A. pandemos) unterscheide, so auch der sie jeweils begleitende Eros. Der himmlische Eros verkörpere im Gegensatz zum gewöhnlichen eine reine, sexuelle Befriedigung verachtende Liebe, wie sie vorzüglich im Verhältnis von Männern und Knaben zueinander vorkomme. Diese Ausführungen dienen im wesentlichen als propädeutische Hinführung zu den Gedanken des Arztes Eryximachos, der berufsbedingt grundsätzlich physiologisch argumentiert: Für ihn ist der wahre Eros eine Frage der Harmonie von einander widerstrebenden Prinzipien. In allem gelte es das rechte Maß zu finden, um, wie in der Musik, das Auseinanderstrebende in Einklang zu bringen.

Auch dies erweist sich letztlich nur als eine Hinführung zur Erzählung des Aristophanes: Der Komödiendichter erfindet ad hoc eine Mythologie der Sexualität, die sicherlich zu den meist rezipierten Stellen der antiken Literatur gehört: Der Mensch habe in prähistorischer Zeit in drei Geschlechtern existiert, einem weiblichen, einem männlichen und einem androgynen. Um die Menschen für ihren Übermut gegen die Göttern zu bestrafen und sie daran zu hindern, den Himmel zu stürmen, habe Zeus sie geteilt. Aus ihrer vierbeinigen, runden Form habe er sie zu zweibeinigen Wesen gemacht, die nun unter der Drohung einer nochmaligen Teilung in Furcht vor den Göttern existieren. Aus dieser Teilung resultiert die Leidenschaft des Eros, da alle Menschen nun auf der Suche nach ihrem fehlenden Gegenpart sind, mit dem sie sich wieder zu vereinigen suchen. Diejenigen deren Ursprung ein männlicher Vierbeiner gewesen sei, suchten ihre Ergänzung als Mann bei Männern, so wie die Frauen von rein weiblichem Ursprung die Liebe der Frauen suchten; die Androgynen neigen verständlicher Weise zum jeweils anderen Geschlecht. Hier werden nicht nur homo- und heterosexuelle Liebe als gleichwertig und aus gleichem Ursprung stammend begriffen, sondern dies ist auch die erste Stelle der Weltliteratur an der weibliche und männliche Homosexualität als wesenhaft identisch beschrieben werden. Diese schlichte Fabel ist von erstaunlicher Klarheit und öffnet sich leicht zahlreichen deutenden Zugriffen.

Den Abschluss des rhetorischen Vorspiels bildet eine Lobrede des Agathon auf den Eros als jüngsten, schönsten und glückseligsten Gott, der sogar als König der Götter bezeichnet wird. Besonders die Charakterisierung des Eros als Jüngstem unter den Göttern, die in direktem Widerspruch zu der anfänglichen Rede des Phaidros steht, macht klar, dass die Reden in ihrer Gesamtheit einen kompletten dialektischen Zyklus durchlaufen haben und als eine durchkomponierte Einheit aufgefasst werden sollen. Es folgt als nächster Schritt die Rede des Sokrates, der Eros nicht als Gott, sondern als Dämon (δαίμων) definiert. Wie sooft bei Platon macht Sokrates dezidierte inhaltliche Aussagen nicht mit seiner eigenen Stimme, sondern er zitiert, was andere gesagt haben. In diesem Fall handelt es sich um eine der wirkungsmächtigsten Frauenfiguren der Antike: die Priesterin Diotima, die angeblich den jungen Sokrates über die Mysterien des Eros belehrt habe.

Eros, so lehrt sie, ist ein Sohn von Mangel (Πενία) und Ausweg (Πόρος), von daher schon in seinem Ursprung als ein Mangelwesen bestimmt. Gerade weil es ihm an all dem mangelt, was ihm Agathon gerade als wesenhaft zugeschrieben hat, strebt er beständig danach, es zu erreichen: Er ist nicht schön, nicht vollkommen, nicht glückselig und besonders nicht unsterblich und daher auch nicht göttlich, sondern ein Zwischenwesen zwischen den sterblichen Menschen und unsterblichen Göttern. Aus dem Streben des Eros nach der Unsterblichkeit folgt auch das Bedürfnis der ihm verwandten Sterblichen nach Ruhm und ihr Verlangen, sich in ihren Kindern und Kindeskindern fortzuzeugen. Auch der platonische Aufstieg des Philosophen von der Schönheit der Körper über die Schönheit der Seelen und der Schönheit der Erkenntnis schließlich zur Erkenntnis der Idee der Schönheit selbst folgt direkt aus dem dem Eros verdankten Streben nach der Aufhebung des prinzipiellen Mangels der körperlichen, endlichen Existenz.

Sokrates wird in seinen Ausführungen unterbrochen durch die unerwartete Ankunft des volltrunkenen Alkibiades. Alkibiades tritt geschmückt mit allen Attributen des Gottes Dionysos auf, und er ist enthusiasmiert vom Wein. Seine Aufgabe ist es, die abschließende Rede des Symposions zu halten, in der durch ihn hindurch der Gott Dionysos selbst Sokrates als die ideale Verkörperung des Eros auszeichnet: Auch er ermangelt der Schönheit und Weisheit, strebt aber in jedem Moment seines Lebens nach ihnen. Er sucht Erkenntnis zu erlangen, verachtet die Genüsse und Anfechtungen der körperlichen Existenz, wie sein Verhalten in Liebesdingen und unter den harten Anforderungen des Krieges unter Beweis gestellt hat. Nach dieser Lobrede geht das Symposion in ein allgemeines Besäufnis über, in dem sich Sokrates einmal mehr als der einzige beweist, der dem Gott Dionysos nicht unterliegt. Als alle schon schwer betrunken mit Schlaf kämpfen oder ihm bereits erlegen sind, ist er noch immer munter:

Die Hauptsache sei jedoch gewesen, dass Sokrates sie genötigt habe zuzugeben, dass es die Aufgabe ein und desselben Mannes sei, sich auf die Dichtung von Komödien und Tragödien zu verstehen, und dass der professionelle Tragödiendichter auch Komödiendichter sei. Zu diesem Eingeständnis genötigt, seien sie – nicht richtig in der Lage zu folgen – eingenickt.

Diese letzte Bemerkung allein, die noch einmal das den ganzen Text bestimmende Spiel von Ernsthaftigkeit und ironischer Distanzierung, von Scherz und Philosophie, von hohler Rhetorik und tiefsinniger Allegorie zusammenfasst, ist eine der wundervollsten Stellen der antiken Literatur. Das ganze Stück ist von einer Ausgewogenheit der Komposition, von einer zugleich formalen Strenge und inhaltlichen Leichtigkeit, dass man lange suchen muss, um ihm etwas literarisch annähernd gleichrangiges an die Seite zu stellen.

978-3-15-002056-2Einen gänzlich anderen Eindruck vermittelt dagegen das »Gastmahl« Xenophons. Seine in Teilen gewollt wirkende Kunst- und Anspruchslosigkeit ist seit der Antike immer wieder als Indiz für den Realismus des Stücks gedeutet worden. Noch eine der neueren, populären Editionen der sokratischen Schriften Xenophons (Eichborn, 1998) will die Frage, ob es sich dabei um ein getreues Abbild der athenischen Gesellschaft und besonders des Sokrates handelt, zumindest unentschieden lassen. Dabei wurde bereits in der Spätantike der Nachweis geführt, dass es sich beim »Gastmahl« Xenophons um eine ebensolche Fiktion handelt wie beim platonischen. Im Gegensatz zum platonischen Text fehlt jeder Versuch einer durchgängigen Komposition, ja, literarische Härten werden der realistischen Wirkung halber bewusst im Kauf genommen.

Das Gastmahl findet in diesem Fall im Hause des reichen Kallias statt, dessen Hauptlebensinhalt es war, das väterliche Erbe durchzubringen, was ihm wohl auch mehr oder weniger gelungen zu sein scheint. Kallias befindet sich mit dem jungen Autolykos, einem erfolgreichen Sportler, in den er verliebt ist, und dessen Vater auf dem Weg von einem Pferderennen nach Hause, als er unterwegs zufällig auf Sokrates und eine Gruppe seiner Begleiter trifft und sie zu einer Feier in seinem Hause einlädt. Sokrates ziert sich ein wenig, da Kallias sonst ausgiebig Umgang mit den Sophisten pflegt, will ihn aber letztlich nicht vor den Kopf stoßen und nimmt die Einladung daher an. Dort angekommen werden erst einmal Tanz und Flötenspiel der herbeigeholten Unterhaltungskünstler rezensiert, bevor man eine allgemeine Gesprächsrunde darüber eröffnet, auf welche seiner Fähigkeiten oder Eigenschaften jeder Gast besonders stolz ist. Dabei zeichnet sich Sokrates vor allen anderen durch seine auf den ersten Blick paradoxe Antwort aus, er sei auf seine Fähigkeiten als Kuppler besonders stolz. Die Erklärungen der einzelnen Gäste zu ihren Fähigkeiten werden von den anderen durch zahlreiche teils witzige, teils spöttische Anmerkungen kommentiert. Bei den Ausführungen des Sokrates versucht sich Xenophon dann in einer Parodie der platonischen Dialoge, indem er den Sokrates in der üblichen Manier Fragen stellen lässt, die die anderen Gäste stur immer erneut nur mit der einzigen Phrase πάνυ μὲν οὖν – einer im Deutschen nicht adäquat wiederzugebenden Häufung dreier bestätigender Wörter, ungefähr wie aber selbst doch freilich – beantworten.

Nach einem weiteren Zwischenspiel der kleinen Animationstruppe versucht Xenophon, sein »Symposion« in unmittelbare Konkurrenz zum platonischen zu stellen, indem er Sokrates eine ausführliche  und gelehrte Rede zum Lobe des Gottes Eros halten lässt, die nicht nur inhaltlich, sondern auch ihrem Grundcharakter nach allem widerspricht, was wir aus den platonischen Frühschriften an Darstellungen des Sokrates kennen. Diese Rede führt zudem die gesamte Anlage der Erzählung als eine über ein geselliges Zusammensein derartig in eine Sackgasse, dass Xenophon sich nur mit einer höchst hölzernen Wendung aus ihr zu retten weiß:

Damit endete diese Gespräch. Autolykos – es war bereits Zeit für ihn – stand zu einem Spaziergang auf, und sein Vater Lyon wollte mit ihm hinausgehen, als er sich noch einmal umdrehte  und sagte: »Bei der Hera, Sokrates, du scheinst mir ein Mensch von sittlichem Adel zu sein!«

Nichts in diesem »Gastmahl« kann auch nur für einen Moment ernsthaft mit dem konkurrieren, was das platonische Vorbild bietet. Sein Witz ist vergleichsweise platt, seine Figurengestaltung mehrheitlich eindimensional, wenn nicht gar einfältig, sein Moralisieren naiv und ohne jeden Esprit. Insgesamt bleibt der Eindruck, dass sich hier ein Schriftsteller deutlich überhebt, indem er versucht mit einem Autor in Konkurrenz zu treten, dem er weder literarisch noch inhaltlich das sprichwörtliche Wasser reichen kann. Über eine rein historische Ebene hinaus ist dieser Text schlicht eine Enttäuschung.

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Vergleichsweise erfrischend ist Lukians Parodie auf die Symposienliteratur: Bei ihm kommen die vortrefflichsten Vertreter diverser philosophischer Schulen bei der Hochzeit der Kinder zweier Geldadliger zusammen. Diese führenden Köpfe der Stadt sind während des Festes in der Hauptsache damit beschäftigt, einander gegenseitig schlecht zu machen und sich nach Möglichkeit die besten Stücke auf der Tafel wegzuschnappen. Das ganze endet denn auch konsequent in einer großen Schlägerei, aus der fast alle Beteiligten mit erheblichen Blessuren hervorgehen: einem der Philosophen fehlen am Ende die Nase und ein Auge, die er in der Hand vom Schlachtfeld des Symposions trägt, was einen seiner philosophischen Kollegen nur zu einer höhnischen Bemerkung mehr veranlasst. Lukians Erzähler wenigstens zieht eine nützliche Lehre aus dem Geschehen:

Ich für meinen Teil habe mir diese Moral daraus gezogen: daß es für einen, der kein Freund von bösen Händeln ist, eine gefährliche Sache sei, sich mit Philosophen dieses Schlages zu Gast bitten zu lassen. [Übers. v. Christoph Martin Wieland]

Vielleicht sollte man doch dem ein oder anderen heutigen Talkshow-Gast die Lektüre wenigstens des lukianschen »Gastmahls« ans Herz legen …

Platon: Symposion. Griechisch/Deutsch. Übers. und hrsg. von Thomas Paulsen und Rudolf Rehn. RUB 18435. Stuttgart: Reclam, 2006. Broschur, 215 Seiten. 5,– €.

Xenophon: Das Gastmahl. Griechisch/Deutsch. Hrsg. u. übers. von Ekkehard Stärk. RUB 2056. Stuttgart: Reclam, 1986. Broschur, 127 Seiten. 4,– €.

Lukian: Symposion. Griechisch/Deutsch. Übers. und hrsg. von Julia Wildberger. RUB 18377. Stuttgart: Reclam, 2005. Broschur, 95 Seiten. 3,– €.

Plato: Phaedrus

Come here, then, noble creatures, and persuade the fair young Phaedrus that unless he pay proper attention to philosophy he will never be able to speak properly about anything.

978-0-674-99040-1Eins führt zum anderen: Da der »Phaidros« in »Der Tod in Venedig« aus thematischen Gründen eine prominente Stellung inne hat und er außerdem für das oben auf dem Stapel der wieder einmal zu lesenden Bücher liegende »Zen and the Art of Motorcycle Maintenance« von Bedeutung ist, habe ich den Dialog wieder einmal aus dem Schrank geholt. Erklärungsbedürftig ist aber wohl, warum hier eine englische Übersetzung gelesen wurde. Ich habe während des Studiums angefangen, griechische Klassiker auf Englisch zu lesen, zuerst weil es keine halbwegs preiswerte und vollständige deutsche Aristoteles-Ausgabe gab und zudem zahlreiche der erreichbaren deutschen Übersetzungen nicht unwesentlich ein Ergebnis christlicher Lektüre sind. Da als Alternative eine weitgehend vollständige und ordentlich übersetze englische und altgriechische Ausgabe in der Loeb Classical Library vorlag, war dies fast selbstverständlich meine Wahl. Später bin ich dann auch bei Platon auf die Loeb-Ausgabe umgestiegen, da die Schleiermacher-Übersetzung selbst in der verwässerten modernisierten Form höchstens Altphilologen Vergnügen bereitet, die ebenso leicht das Original lesen könnten, und auch die Meiner-Ausgabe das Problem der gleichzeitigen Lesbarkeit und Korrektheit nicht wirklich zufriedenstellend löst. In letzter Zeit stellt die zweisprachige Ausgabe in der Universalbibliothek von Reclam eine gute deutschsprachige Platon-Ausgabe zur Verfügung, doch kommt diese Edition nur quälend langsam voran. Jedenfalls lese ich seit dem Studium die antiken philosophischen Klassiker bevorzugt in englischen Übersetzungen, auch da mein Altgriechisch nie so gut war, dass ich die Originale auch nur einigermaßen flüssig lesen könnte.

Der »Phaidros« gehört wahrscheinlich nach dem »Symposion« zu den meist rezipierten Dialogen Platons und ist nicht nur innerhalb der Philosophie, sondern auch unter Schriftstellern seit der Neuzeit von bedeutendem Einfluss. Das liegt zum einen an der über weite Strecken vergleichsweise lockeren Diktion, zum anderen aber sicherlich auch daran, dass der philosophische Diskurs hier durch die Interaktion zwischen den Dialogpartner Phaidros und Sokrates und den Ort des Dialogs (der klassische locus amoenus) offensichtlich in einen literarischen Rahmen eingepasst ist.

Grundthema des Dialogs ist die Bestimmung dessen, was Liebe sei. Anlass ist eine Rede des Lysias über die Liebe, die Phaidros bei sich hat, als er Sokrates vor den Toren Athens trifft. Da es ein heißer Tag ist, suchen die beiden in einem den Musen geweihten Hain den Schatten auf, und Phaidros liest Sokrates die Rede des Lysias vor, von der er zuerst in höchsten Tönen schwärmt. Sokrates ist von ihr allerdings weniger angetan und entwickelt spontan zwei Gegenreden über dasselbe Thema. In einer davon findet sich die Bestimmung der Liebe als der höchsten von drei Sorten des Wahnsinns, die die Götter den Menschen eingeben. Von hier ausgehend entwickelt Sokrates die Allegorie vom Seelenwagen: Die dreigeteilte menschliche Seele gleiche einem Wagen, der von zwei Pferden gezogen werde. Das weiße, gute Pferd dränge zum Himmel und dem Reich der Ideen, das dunkle Pferd der Leidenschaft dagegen ziehe den Wagen erdwärts und hin zur konkreten Welt. Die dritte Komponente, die den Wagen lenkende Vernunft, versuche dieser beiden Tendenzen Herr zu werden und entgegen den störenden Leidenschaften den Seelenwagen hin zur Philosophie und zur Erkenntnis der Ideen zu lenken.

Anschließend wendet sich Sokrates der Kritik der zeitgenössischen Rhetorik-Lehrer zu. Es folgt eine Zusammenfassung der aus den Frühdialogen bereits bekannten Kritik an der sogenannten Sophistik, der vorgeworfen wird, sich nicht wirklich um die Erkenntnis der Wahrheit zu bemühen, sondern sich mit Vorstufen wahrer Erkenntnis zu begnügen und andere von der Hinwendung zur wirklichen Erkenntnis durch ihre Irrlehren abzuhalten. Es folgt eine Kritik des geschriebenen Wortes, wie sie ähnlich auch im berühmten Siebten Brief Platons zu finden ist, hier exemplifiziert an einem altägyptischen Mythos von der Erfindung der Schrift durch den Gott Theuth. Mit der berühmten Definition der Philosophen als »Liebhaber der Weisheit«, einem verhaltenen Lob des jungen Rhetors Isokrates und einem gemeinsamen Gebet der beiden Gesprächspartner schließt der Dialog.

Wie oft bei Platons Dialogen kann sich der halbwegs selbstständige Leser des Gefühls nicht erwehren, dass zu den verhandelten Themen noch so manches zu sagen wäre und zahlreiche der Argumente des Sokrates, die Phaidros widerstandslos schluckt, bei weitem nicht so überzeugend sind, wie sie erscheinen sollen. Da der Dialog sich selbst aber zugleich als nicht besonders ernstzunehmende intellektuelle Spielerei einordnet, stößt jede systematische Kritik ins Leere. Von daher geschieht es ihm wahrscheinlich recht, in der Neuzeit besonders häufig Schriftsteller angeregt zu haben.

Plato: Phaedrus. In: Plato in Twelve Volumes I. With an english translation by Harold North Fowler. Cambridge: Harvard University Press, 151982. Leinen, Fadenheftung, 583 Seiten. 24,– $.

Friedrich Dürrenmatt: Das Sterben der Pythia

978-3-257-23064-2 Dürrenmatts Auseinandersetzung mit dem Ödipus-Stoff. Der Text entstand zwischen 1974 und 1976 innerhalb des sogenannten Mitmacher-Komplexes, der aus dem Stück Der Mitmacher, einem umfangreichen Nachwort zum Stück und einem Nachwort und einem Nachwort zum Nachwort besteht. Die selbstgestellte Aufgabe der Erzählung besteht darin, den Ödipus aus dem Schicksalhaften ins Zufällige zu übersetzen. Ödipus wird daher nicht Opfer des Ratschlusses der Götter, sondern der delphischen Orakelpriesterin, der Pythia, die, um Ödipus von seinem Aberglauben an die Orakelsprüche zu heilen, ihm eine gänzlich unwahrscheinliche Zukunft voraussagt.

Natürlich erweist sich der Orakelspruch als ein Volltreffer, wenn auch nicht in dem Sinne, wie uns der Ödipus-Mythos durch die Sophokleische Tragödie bekannt ist. Dürrenmatt behandelt im Gegenteil diese klassische Deutung des Mythos als oberflächlichste Variante, der er eine psychologische, eine politische und eine individualistische zur Seite stellt. Das ganze ist sehr überzeugend gemacht und darf wohl als eine der originellsten und intelligentesten Auseinandersetzung des 20. Jahrhunderts mit dem Ödipus-Stoff gelten.

Friedrich Dürrenmatt: Das Sterben der Pythia. In: Der Sturz, Abu Chanifa und Anan ben David, Smithy, Das Sterben der Pythia. detebe 23064. Zürich: Diogenes, 1998. 162 Seiten. 7,90 €.

Wilfried Stroh: Latein ist tot, es lebe Latein!

stroh-latein Eine kleine Geschichte der lateinischen Sprache von den Anfängen bis in die Gegenwart liefert das Büchlein. Es zielt offensichtlich auf eine breitere Leserschaft ab und ist daher mit seinem saloppen Ton etwas oberflächlich geraten, was aber die Zielgruppe, die von lateinischer Literatur und ihren Autoren nur wenig wissen wird, nicht weiter stören sollte. Mir ist der Enthusiasmus des Autors etwas auf die Nerven gegangen, ebenso wie seine Manier, seine antikommunistische Idiosynkrasie zu thematisieren. Ein neutralerer Ton hätte dem Buch gutgetan: Es ist nicht nötig, einen Journalisten der Süddeutschen Zeitung ein Internat in Malawi »heimsuchen« zu lassen, ebensowenig den Pädagogen Herbart als »griesgrämig« zu bezeichnen, nur weil er das Argument, Latein schule das Denken, für Unsinn hält. Auch hat sicherlich Karl Marx nicht die Bezeichnung Kommunismus statt Humanismus benutzt, weil er »Angst« hatte, »ein Humanistisches Manifest […] in Latein schreiben zu müssen.« Und ganz sicher ist die Vorherrschaft des Englischen in den modernen Wissenschaften nicht »verheerend«, sondern höchstens bedauerlich oder unangemessen. Hier und an vielen anderen Stellen wäre es angebracht gewesen, wenn der Autor seinen Humor ein wenig die Zügel hätte spüren lassen.

Die historische Darstellung ist durchtränkt von einer fachlich nicht unkomischen Cicero-Begeisterung Strohs, die aber angesichts der Tatsache, dass Cicero heutzutage gewöhnlich als eine Art Schulbuch- Autor angesehen wird, als ausgleichende Ungerechtigkeit begriffen werden kann. Die historische Darstellung legt das Schwergewicht auf die römische Antike und dann wieder auf die Neuzeit. Das lateinische Mittelalter wird etwas summarisch abgehandelt und der Leser dann auf Ernst Robert Curtius’ Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter verwiesen, wo er sich allerdings gehörig umgucken dürfte, falls er hier eine Fortsetzung Strohs erwarten sollte.

Insgesamt ein inhaltlich nicht unproblematisches Buch, das aber als Einstieg ins Thema weitgehend konkurrenzlos dasteht und dem Laien wahrscheinlich nützliche Dienste leisten wird. Wer eine römische Literaturgeschichte sucht, sollte besser zur Geschichte der römischen Literatur von Manfred Fuhrmann (Stuttgart: Reclam, 1999) greifen.

Wilfried Stroh: Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer großen Sprache. Lizenzausgabe. Frankfurt/M.: Büchergilde Gutenberg, 2007. Bedruckter Leinenband, Lesebändchen, 415 Seiten. 15,90 € (nur für Mitglieder der BG).