
Wenn der Dudenverlag vor 25 Jahren ein Großes Buch der deutschen Sprache herausgebracht hätte, wäre das ein mindestens 600 Seiten umfassendes Kompendium geworden, dicht angefüllt mit Listen und Fakten, Aufsätzen und Statistiken. Es wäre auf den Schreibtischen der professionellen Schreiber gelandet, die es als nützliches Handbuch und Nachschlagewerk genutzt hätten, einige Exemplare wären noch als verfehlte Geschenke missbraucht worden und der Rest in den öffentlichen Bibliotheken verschwunden, um dem einen oder anderen versprengten Schüler zu unerwarteten Einsichten zu verhelfen.
Heute erscheint ein großformatiger Band mit „über 1000 Infographiken und Illustrationen“, die die hauptsächliche Struktur des Buches liefern. Das bedeutet, dass alle behandelten Themen sich mehr oder weniger dem Muster der illustrierten Doppelseite fügen müssen, die stets von der graphischen Gestaltung dominiert werden. Das führt in mehr als einem Fall dazu, dass den Seiten die präsentierten Informationen kaum mehr zu entnehmen sind – von leicht und verständlich ganz zu schweigen –, sondern der Leser mit dem Finger irgendwelchen sinnlosen Linien und Verwicklungen nachfahren muss, um zwei Stellen der Graphik miteinander in Beziehung setzen zu können. Selbst dort, wo die Graphiken die Informationsaufnahme nicht behindern, führen sie doch immer dazu, dass auf der weiten Fläche der Doppelseite nur ein Bruchteil dessen zu stehen kommt, was dort nützlicher Weise hätte stehen können.
Die Breite der behandelten Themen ist durchaus überzeugend; die Tiefe ihrer Behandlung durchweg seicht. Das Format macht das Buch für den alltäglichen Gebrauch unbrauchbar; allein der schon erwähnte durch die Stadtbibliothek streifende Schüler könnte über die eine oder andere Anregung für ein Deutschreferat stolpern. Nur der Wert als verfehltes Geschenk wurde durch die gewählte Form erheblich gesteigert. Ein Buch, das man einmal durchblättert und dann oben in die Schrankwand stellt (falls man sowas überhaupt noch hat).
Das große Buch der deutschen Sprache. Von Lara Bragin (Illustrationen) und Andrea Weller-Essers (Text). Berlin: Dudenverlag, 2026. Bedruckter Pappband, Fadenheftung, 288 Seiten (27 cm × 20,7 cm). 39,– €.