Alexander Unzicker: Vom Urknall zum Durchknall

978-3-642-04836-4Breit angelegte Polemik gegen das Establishment in der Physik und deren Theorielastigkeit bzw. Empiriefeindlichkeit. Das Buch ist weitgehend frei von Formeln und kann von einem interessierten Laien auch ohne tiefergehende Kenntnisse der mathematischen Grundlagen der Physik gut verstanden werden. Unzicker hebt sowohl in der physikalischen Kosmologie als auch in der Teilchenphysik die starken theoretischen Vorannahmen der sogenannten Standardmodelle heraus, zitiert ausführlich die Kritiker dieser Standardmodelle und macht sich über einzelne herausgehobene Personen des Forschungsbetriebs lustig. Seine Lieblingshassobjekte sind die Theorie der Inflation des frühen Universums und die Stringtheorie.

Für einen Außenstehenden ist das ganz witzig zu lesen, und es erhärtet den natürlichen Verdacht, dass die von zahlreichen Naturwissenschaftlern angenommene Attitüde, sie seien die einzigen rechtmäßigen Verwalter der Wahrheit auf Erden, nicht viel mehr ist als die Fortsetzung des Priestertums mit anderen Mitteln.

Eine durch und durch erfrischende Lektüre von einem selbstkritischen, aber auch recht selbstbewussten Autor.

Alexander Unzicker: Vom Urknall zum Durchknall. Die absurde Jagd nach der Weltformel. Heidelberg: Springer, 2010. Pappband, 330 Seiten. 24,95 €.

Richard P. Feynman: Was soll das alles?

121017248_862d5f04d9Drei Vorträge, die Richard Feynman 1963 als Gast an der University of Washington gehalten hat, und die 1998 aus dem Nachlass veröffentlicht wurden. Ihr englischer Übertitel »The Meaning of It All« macht das Missverhältnis von Anspruch und Ausführung noch krasser deutlich, als seine doppeldeutige deutsche Übersetzung.

Der erste Vortrag beschäftigt sich mit »Ungewißheit in der Wissenschaft« und ist der einzige, dessen Lektüre man einigermaßen empfehlen kann. Feynman weist auf einem sehr populären Niveau auf die Notwendigkeit des Zweifels für alle wissenschaftliche Arbeit hin und darauf, dass die Grundeinsicht in die Vorläufigkeit aller Erkenntnis und die Unabgeschlossenheit des Forschungsprozesses Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche und produktive Wissenschaft sind.

Der zweite Vortrag beginnt mit unsystematischen Überlegungen dazu, inwieweit die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften Einfluss auf die religiösen Gefühle eines Menschen hat, um dann völlig unvermittelt in eine Philippika gegen die Sowjetunion überzugehen.

Den dritte Vortrag beginnt Feynman mit dem Bekenntnis, das worüber er habe reden wollen, sei bereits gesagt. Daher sage er nun, was ihm sonst noch so einfalle, und er selbst gäbe nicht viel darauf, was nun folge. Da hatte er Recht! Der dritte Vortrag ist eine Gemengelage zumeist unverbundener Themen, zu denen Feynman mehr oder weniger Platitüden zum Besten gibt. Einzig die Bemerkungen zur Erhebung und wissenschaftlichen Relevanz von Stichproben sind von einigem Interesse.

Insgesamt ein enttäuschendes und überflüssiges Buch und eine typische Nachlassveröffentlichung, von deren Lektüre fast ausnahmslos abgeraten werden kann. Das wenige Interessante, das zu finden ist, lässt sich anderswo ebensogut und besser finden.

Feynman, Richard P.: Was soll das alles? Gedanken eines Physikers
Piper, Sonderausgabe 2002. ISBN 3-492-04472-7
Gebunden – 153 Seiten – 9,90 Eur[D]

Richard P. Feynman: »Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!«

121017247_b1fcf96245Eine anekdotische Lebensgeschichte Feynmans, von ihm selbst erzählt. Seine wissenschaftliche Karriere kommt natürlich auch vor, aber eher in den äußerlichen Umständen, weniger in den zahlreichen herausragenden Entdeckungen, die Feynman im Verlauf seines Lebens gemacht hat. Das Buch ist amüsant, hier und da etwas selbstgefällig, was mich aber nicht wirklich gestört hat, eine nette Lektüre. Feymans Leben erweist sich als äußerst vielfältig und reichhaltig: Schon früh autodidaktisch an Mathematik interessiert, beschäftigt er sich mit allen drei großen Naturwissenschaften, studiert nicht nur Physik, sondern hospitiert auch in der Chemie und Biologie, und landet schließlich als Theoretiker im Team um Oppenheimer in Los Alamos. Dort betätigt er sich umfänglich als Safeknacker – auch dies hauptsächlich Zeugnis seiner unstillbaren, eigenwilligen Neugier, die ihn dazu geführt hat, sich im Laufe seines Lebens mit sehr unterschiedlichen Themen zu beschäftigen. Feynman ist dabei von erfrischender Offenheit und Ehrlichkeit, zögert auch nicht, die Grenzen seines Verständnisses sichtbar werden zu lassen.

Was man bedauern könnte, ist, dass Feynman mit allem was er erzählt, den Bereich des Privaten kaum verlässt: Politik und erfahrene Historie kommen so gut wie gar nicht vor, Begegnungen mit anderen Physikern nur am Rande etc. Man sollte also keine »Erinnerungen« oder »Bekenntnisse« in diesem Band voller »Abenteuer« erwarten.

Feynmans Anekdotensammlung ist ganz unabhängig davon, ob man sich für Physik oder die Naturwissenschaften überhaupt interessiert, eine sehr kurzweilige, wenn auch letztendlich etwas belanglose Lektüre.

Feynman, Richard P.: »Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman!« Abenteuer eines neugierigen Physikers
Piper, Sonderausgabe 2005. ISBN 3-492-04726-2
Gebunden – 464 Seiten – 14,90 Eur[D]

Richard P. Feynman: Sechs physikalische Fingerübungen

121017246_120fbf6982Laut Vorwort des amerikanischen Originalverlages handelt es sich bei dem Buch um die »sechs einfachsten Kapitel« der »Lectures on Physics«, die unter den Einführungen für Physikstudenten eine Art Kultstatus inne haben. Dass die Originalausgabe dieser Auswahl 1995 erschienen ist, also 30 Jahre nachdem Feynman den Physik-Nobelpreis erhalten hat, zeugt von der ungebrochenen Popularität, die er in den Vereinigten Staaten besitzt. Es gibt zahlreiche Zeugnisse dafür, dass Feynman als akademischer Lehrer und als Persönlichkeit zahlreiche Menschen beeinflusst und tief beeindruckt hat.

Durch die Auswahl sind die Kapitel natürlich wenig miteinander verbunden und auch was den Anspruch an das Verständnis der Leser recht unterschiedlich. Das Büchlein beginnt mit einem Kapitel, das sich auf einem sehr allgemeinen Niveau mit der Tatsache auseinandersetzt, dass die Welt aus Atomen zusammengesetzt ist, es folgt ein Kapitel zur Entwicklung der Quanten- und Elementarteilchenphysik, eines zum Verhältnis der Physik zu anderen Naturwissenschaften – mit einem Schwerpunkt auf der Biologie, mit der sich Feynman im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere ebenfalls intensiver beschäftigt hat –, eines zum Energieerhaltungssatz, eines zur Gravitationstheorie und ein letztes, doch schon recht anspruchsvolles, zur Quantenmechanik und der Heisenbergschen Unschärferelation.

Für naturwissenschaftlich Interessierte, die ihre Schulphysik einmal wieder auffrischen und vielleicht auch etwas erweitern wollen, eine anregende und lohnende Lektüre. Für die allermeisten Nichtphysiker wird der eine oder andere anregende Gedanke oder neue Perspektive abfallen. Mir etwa ist nie zuvor die enge Abhängigkeit zwischen Quantenmechanik und der Unschärferelation auf so einfache und einleuchtende Art klar gemacht worden.

Feynman, Richard P.: Sechs physikalische Fingerübungen
Piper, Sonderausgabe 2004. ISBN 3-492-04665-7
Gebunden – 224 Seiten – 12,90 Eur[D]