No monkey business

dewaalFrans de Waal schreibt seit 15 Jahren Bestseller über Menschenaffen. Das liegt in erste Linie an seinem Talent, komplexe Zusammenhänge in einer klaren und auch dem Laien verständlichen Art und Weise darzustellen. Wie abstrakt auch immer sein Thema zu sein scheint, ihm gelingt es scheinbar mühelos, es mit einer passenden Geschichte aus seinem lebenslangen Umgang mit Primaten und anderen Affen zu illustrieren, ohne die Problemlage zu simplifizieren. Frans de Waal ist ein Erzähler, der in jedem Fall seiner Erfahrung mehr vertraut als jeder noch so ausgefeilten Theorie. In seinem neuen Buch stehen gleich drei Primatenarten im Zentrum seines Interesses: Schimpanse, Bonobo und Mensch.

In »Der Affe in uns« (»Our Inner Ape«) beschäftigt sich de Waal weit stärker als in den vorangegangenen Büchern (»Wilde Diplomaten«, »Der gute Affe«, »Der Affe und der Sushi-Meister«) außer mit Schimpansen und Bonobos auch mit dem Menschen. Ausgehend von den Versuchen anderer Primatologen und Verhaltensforscher, den Menschen durch Vergleiche mit seinen nächsten evolutionären Verwandten zu begreifen und einzuordnen, entwickelt »Der Affe in uns« eine Position, die die Menschen in einer doppelten Perspektive in das Kontinuum der Primaten einzugliedern versucht. Auch de Waal glaubt, dass der Mensch in vielen seiner wesentlichen Eigenschaften eine tiefe Verwandtschaft mit Schimpansen oder Bonobos aufweist, aber er betont eben zugleich, in welchen Fällen, auf welche Weise und unter welchen Umständen der Mensch die Verhaltensweisen unserer gemeinsamen Vorfahren modifiziert und ihre Grenzen im Guten wie im Bösen überschritten hat.

Gab es etwa nach der Entdeckung der Tatsache, dass Schimpansen untereinander Krieg führen und Mitglieder anderer Schimpansengruppen absichtlich töten, den Versuch, den Menschen als ins Extrem pervertierten Raubprimaten zu begreifen, so weist de Waal darauf hin, dass wir nicht nur die Aggressionen mit den Schimpansen teilen, sondern auch das Vermögen, Frieden zu stiften und Konflikte zu vermeiden. Es gelingt ihm mit wenigen, prägnanten Beispielen, Schimpansen und Bonobos mit ihren unterschiedlichen sozialen Gefügen darzustellen und zu zeigen, dass der Mensch seine beiden nächsten Verwandten im Tierreich in beiderlei Hinsicht – Aggression gegen die eigene Art und Fähigkeit, Frieden zu halten – übertrifft: Ihm gelingt es sowohl, sich seine Artgenossen soweit zu entfremden, dass er gewissenlos Genozid betreibt, als auch ist er in der Lage, über lange Perioden in und mit großen Gruppen Frieden zu wahren und Konflikte auszugleichen, anstatt sie eskalieren zu lassen.

Der Leser lernt während der Lektüre Schimpansen und Bonobos als erstaunlich sensible, einsichtsvolle und sozial hoch kompetente Lebewesen kennen. Es entsteht der Eindruck, dass die soziale Komplexität innerhalb einer Gruppe von Primaten, ihr Verständnis für die Zusammenhänge ihrer Gesellschaft und ihre Fähigkeit innerhalb dieser Zusammenhänge die Interessen des Individuums und der Gruppe ins Gleichgewicht zu bringen, mit denen in der menschlichen Gesellschaft durchaus vergleichbar sind. Sicherlich sind die Ausdrucksformen andere, aber wir haben keinerlei Schwierigkeiten, die grundlegenden gesellschaftlichen Bedingungen einer Primatengesellschaft zu verstehen, eben weil wir sie in unseren eigenen Lebenszusammenhängen nur zu gut wiederkennen.

Sicherlich ist auch de Waals Blick auf den Menschen verkürzt, aber das ist dem Autor durchaus bewusst. Er versucht auch nicht, ein Buch über den Menschen als Kulturwesen schlechthin zu schreiben, sondern er blickt auf die Menschen und ihre Gesellschaft mit dem geschulten Blick eines Primatologen. Und er erkennt vieles wieder – und wir mit ihm. Natürlich gibt es im Leben der Menschen noch andere Bedürnisse als Sex und Nahrung. Aber es gibt eben auch diese beiden Bedürfnisse und was sie betrifft, so unterscheiden wir uns zwar deutlich von Schimpansen und Bonobos, aber doch wieder nicht so wesentlich, dass wir uns nicht in de Waals Erzählungen wiedererkennen würden.

Selbst wenn man am Ende einige der Schlussfolgerungen de Waals nicht teilen mag, ist das Buch eine anregende und in vielen Fällen horizonterweiternde Lektüre. Auch wenn es am Ende nicht unseren Blick auf den Menschen verändert haben sollte, so werden wir doch auf jeden Fall für Schimpansen und Bonobos weit mehr Respekt aufbringen, als wir es vielleicht bislang getan haben. In jedem Fall ist das eine Lektüre wert.

Frans de Waal: Der Affe in uns. Warum wir sind, wie wir sind. Aus dem Amerikanischen von Hartmut Schickert. München: Hanser, 2006. Pappband, 366 Seiten. 24,90 €.

Ein Lesebuch des Aberglaubens

hdwb AbberglaubensEs ist ein seltener Fall, dass ein Nachschlagewerk das erste seiner Art ist und dennoch über viele Jahrzehnte hinweg nach Inhalt und Umfang ein unverzichtbares Standardwerk bleibt. Das »Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens« ist eine solche Ausnahmeerscheinung. Es wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts konzipiert und erschien unter erheblichen Schwierigkeiten zwischen 1927 und 1942 in zehn Bänden. Viele seiner Einträge sind inzwischen überholt, aber dennoch ist das Lexikon als ganzes bis heute ein unverzichtbares Hilfsmittel für alle, die sich mit Volksglauben, Sagen, Märchen und anderen Formen der Volksliteratur beschäftigen. Nun ist in der Digitalen Bibliothek eine CD-ROM-Ausgabe des Werks erschienen.

Dabei ist das »Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens« (HDA) nicht nur als Nachschlagewerk geeignet, sondern es ist eine nahezu unerschöpfliche Quelle zum Schmökern: Viele Artikel sind eine Sammlung zahlreicher Überlieferungen, die hier zum ersten Mal auf engstem Raum zusammengefasst sind, sich überschneiden, ergänzen, auch widersprechen. Man bekommt ein Eindruck von der reichhaltigen und lebendigen Überlieferung des Volksglaubens, der sich auf alle Lebensbereiche erstreckt und über viele Jahrtausende auch auf die Hochkultur und besonders die Kunst auf vielfältigste Weise eingewirkt hat. Und man lernt von Gebräuchen, die heute nahezu vergessen sind:

Teller (und Tellerwurf). Die alteuropäische, im Kaukasus und wohl auch anderwärts noch bestehende Speisesitte, Fladenbrote als T. für eine Auflage von Fleisch zu benützen, hat vielfach die T.form von Gebildbroten auf Weihnachten und Ostern bestimmt, wie dies Gebäckmodel aus dem 15. und 16. Jh. und neuere Gebäcke in Form von Korb-T.n wie etwa im Lüneburgischen, dartun.

Nach der Bibel hatten die Juden den Brauch nebst einem Widderpaar tellerförmige Brote ins Opferfeuer zu werfen. Vorläufig fehlen Belege dafür, daß eine solche Übung im Mittelmeerkreis etwa zum Aberglauben des T.wurfes geführt hätte, um eine Feuersbrunst zu löschen. Sicher war keine Speisung sondern ein Bannen und Binden des Elementes zu seiner Besänftigung beabsichtigt, wenn es 1601 in den Aufzeichnungen des Pfarrers Noll zu Rüdesheim heißt: »Gegen Blitzfeuer (sic!) Schreibe folgendes (Satorformel) (s.d.) auf einen T. und wirf ihn in das Feuer, dann wird es verlöschen«. Vorschrift und Anwendung sind in späteren Tagen in Süd- und Mitteldeutschland vielfach in Geltung geblieben. Man wirft in der Tat aber auch wohl mit Opferabsicht Speck-T. oder einen T. aus Zinn – dem »Silber der Armen« – ins Feuer.

Mag ein solcher Eintrag eher obskur erscheinen, so liefern die umfangreichen Einträge etwa über den Glauben an eine »Endschlacht«, der sich in zahlreichen Kulturen wiederfindet, oder auch der gleich nachfolgende über »Engel« ein unvergleichlich reiches Bild von den Weltkonzepten früherer Zeiten, die heute in unserer mehr und mehr dem Glauben an die Vernunft anhängenden offiziellen Kultur drohen, komplett vergessen und durch gänzlich andere Glaubenskonzepte ersetzt zu werden. Mit dem Vergessen geht aber auch einher, dass uns Nachgebornenen eine wesentliche Grundlage zum Verständnis der Kultur, Kunst und Literatur früherer Epochen verloren zu gehen droht.

Ich will nicht verschweigen, dass das HDA auch seine Schwächen hat: Es ist besonders in den späten Bänden lückenhaft geblieben. Bei wichtigen Stichwörter wie z. B. »Teufel« oder »Zahl« wird zwar auf den Nachtrag verwiesen, die entsprechenden Artikel sind aber nie geschrieben oder gedruckt worden. Auch bemängeln moderne Kritiker, dass der dem HDA zugrunde gelegte Begriff des Aberglaubens zu eng war und bestimmte Geheimkünste und magische Wissenschaften ausschloss. Diese Kritik ist berechtigt, ändert aber garnichts an der Fülle des gelieferten Materials und ebensowenig daran, dass das HDA bis heute keinen gleichwertigen oder gar überlegenen Nachfolger gefunden hat. Wer sich mit dem Phänomen des Volksglaubens beschäftigen will, kommt auch heute noch am HDA nicht vorbei!

Das HDA ist 1986 erstmals wieder nachgedruckt worden und erfreut sich seitdem ungebrochener Beliebtheit bei Laien und Fachleuten. Die gedruckte Fassung in 10 kartonierten Bänden kostet derzeit 148,– €; die CD-ROM der Digitalen Bibliothek wird bis zum 31.12.2006 für 75,– € (danach 90,– €) angeboten und hat den für ein Nachschlagewerk unersetzlichen Vorteil einer Volltextsuche. Außerdem lassen sich durch das Register der digitalen Ausgabe auch die Einträge des Nachtragbandes nahtlos in die Stichwortliste einfügen. Kopier-, Markierungs- und Notizfunktionen gehören zum Standard der Software der Digitalen Bibliothek und genügen allen praktischen Ansprüchen. Alle Einträge der CD-ROM sind mit einer wortgenauen Konkordanz zur gedruckten Ausgabe versehen, so dass Zitate aus der digitalen Ausgabe auch wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Der CD-ROM liegt eine gedruckte Einführung in die Benutzung der Software bei. Inzwischen bietet die Digitale Bibliothek auch Software für MAC- und Linux-User an, die von der Homepage des Verlages heruntergeladen werden können.

Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Hg. v. Hanns Bächtold-Stäubli unter Mitwirkung von Eduard Hoffmann-Krayer. Digitale Bibliothek Bd. 145. Berlin: Directmedia Publishing, 2006. 1 CD-ROM. Systemvoraussetzungen: PC ab 486; 32 MB RAM; Grafikkarte ab 640×480 Pixel, 256 Farben; CD-ROM-Laufwerk; MS Windows (98, ME, NT, 2000 oder XP) – MAC ab MacOS 10.3; 128 MB RAM; CD-ROM-Laufwerk. Empfohlener Verkaufspreis bis 31.12.2006: 75,– €, danach 90,– €.

Die Britannica lesen …

britannicaIn der westlichen Welt, dem Gebiet der sogenannten christlich-abendländischen Kultur wird man heute schon als Ausnahme-Erscheinung angesehen, wenn man die Bibel, das Buch der Bücher, komplett gelesen hat. Aber es gibt ein Buch, bei dem es noch weitaus ungewöhnlicher ist, es komplett gelesen zu haben: Die Enzyclopædia Britannica! Die Britannica oder die EB, wie Ihre Benutzer sie liebevoll abkürzen, ist das umfangreichste moderne Lexikon der westlichen Welt. Und sie ist nicht nur umfangreich, sie ist auch gut! Der amerikanische Journalist A. J. Jacobs hat es unternommen, die rund 33.000 Seiten der Britannica zu lesen. Und er hat ein Buch darüber geschrieben! Nun wird manch einer denken, was soll schon dabei herauskommen, wenn einer über eine so langweilige Sache wie das Lesen eines Lexikons ein Buch schreibt. Sie werden sich wundern, was für ein erstaunlich lebendiges und witziges Buch dabei herausgekommen ist!

Die Geschichte, die Jacobs von seiner Lektüre erzählt, ist von Anfang an eine sehr persönliche: Er versucht nämlich mit seiner Lektüre der Britannica seinen Vater zu übertreffen, einen erfolgreichen Anwalt, der auch einmal damit begonnen hatte, die EB zu lesen, aber früh schon stecken geblieben war. Außerdem versuchen Jacobs und seine Frau seit einiger Zeit ein Kind zu bekommen und angesichts der von seinem Sprößling zukünftig zu erwartenden Fragen will Jacobs dringend etwas für seine Bildung tun. Er arbeitet als Journalist beim New Yorker Magazin »Esquire«, und wie viele Menschen fürchtet er, langsam zu verblöden, nachdem er mit dem aktiven Lernen aufgehört hat. Und last not least will er mit seinem neu erworbenen Wissen auch ein wenig angeben und auftrumpfen – aber das legt sich mit der Zeit.

All dies führt dazu, dass er sich die aktuelle Ausgabe der EB (2002) bestellt und einfach bei A mit dem Lesen beginnt. Dazu muss man denjenigen, die nie in die EB hineingeschaut haben, erklären, dass die EB grob gesprochen in zwei Teile gegliedert ist (eigentlich sind es mehr, aber das soll uns hier nicht interessieren): Von den 29 Lexikon-Bänden sind nur die ersten zwölf so aufgebaut, wie man es von einem »normalen« Lexikon kennt: Viele Stichwörter und zu jedem eine mehr oder weniger kurze Erklärung, eventuell einige Hinweise zur weiteren Lektüre – fertig, nächstes Stichwort. Diese Bände 1–12 heißen Micropædia, durchlaufen das gesamte Alphabet und umfassen gut 13.000 Seiten. Auf sie folgen 17 weitere Bände (13–29), die Macropædia, etwa 20.000 Seiten (jede Seite der Britannica umfasst dabei den Text von mehr als vier (!) Schreibmaschinenseiten), die nur durch etwa 600 Stichwörter gegliedert sind. Zu jedem dieser Stichwörter bietet die Macropædia einen umfassenden Einführungstext. Um das in diesen umfangreichen Texten enthaltene Wissen sinnvoll aufzuschlüsseln, verfügt die EB über zwei zusätzliche Indexbände.

Durch diesen Aufbau ist die EB wie kein anderes Lexikon für eine vollständige Lektüre geeignet, denn die Nutzer bekommen in der Macropædia große Wissensgebiete in systematischer Darstellung präsentiert. Und so liest Jacobs sich durch beide Teile der EB zugleich, immer dem Alphabet folgend. Das Glück für die Leser des Buches ist nun, dass Jacobs ein witziger Kopf ist, der uns nicht nur an ausgewählten Stichwörtern seiner 15 Monate dauernden Wissens-Odysee teilnehmen lässt, sondern der uns auch erzählt, wie seine Frau, seine Verwandten und Bekannten, nicht zuletzt seine Kollegen auf sein Projekt reagieren, wie ihn das Wissen verändert, was ihn betroffen macht, was ihm merkwürdig vorkommt usw. usf. Jacobs kümmert sich überhaupt um die Kultur und den Kult der Information: Er interviewed den Moderator von »Jeopardy!« und wird Kandidat beim amerikanischen »Wer wird Millionär?«, nur um an der 32.000-$-Frage zu scheitern, weil sein Gedächtnis und sein »allwissender« Telefonjoker versagen. Und schließlich besucht er die Redaktion der Britannica in Chicago und macht unmittelbare Bekanntschaft mit der mühsamen Arbeit der Lexikon-Recherche.

Und nebenher versöhnt er sich mit seinem Vater, zeugt mit seiner Frau endlich ein Kind, lernt lauter Sachen, die er vorher nicht wusste, erinnert sich an Dinge und Zusammenhänge, die er schon einmal vergessen hatte, und behält zugleich seine Distanz zu all dem, was er da liest. Mit der Zeit kennt er den Jargon der Britannica und benennt ihn auch, er lernt ihre Vorlieben und Idiosynkrasien (gleich mal im Lexikon nachschlagen, was das nun wieder bedeutet!) erkennen, schärft seinen Blick für Skuriles, Absurdes und Erschreckendes. Und das wichtigste: Er hält durch! Nach 15 Monaten kommt er tatsächlich beim Stichwort »Żywiec« an und hat es geschafft. Er gibt zu, nicht jedes Wort und nicht jede Seite stets mit der gleichen Aufmerksamkeit studiert zu haben, aber er hat alle Seiten gelesen. Was er tatsächlich davon behalten hat und wird, wird keiner – auch er selbst nicht – jemals wirklich wissen.

Das Buch ist vom Verlag List sorgfältig und liebevoll ausgestattet worden: Es hat einen Goldschnitt (sogar an allen drei Schnitten, wo sich die EB mit einem vergoldeten Kopfschnitt begnügt), ein Lesebändchen, trägt das Markenzeichen der EB, die schottische Distel, auf dem Umschlag und am Fuß jeder Seite, hat lebende Kolumnentitel, die das jeweilige Stichwort, bei dem man sich gerade befindet, anführen und – natürlich! – ein Register. Einzig Kunstledereinband und Fadenheftung fehlen, aber die hätten das Buch nur unvernünftig teuer gemacht. Ein Reiseabenteuer durch die Wissenskreise, eine äußerst vergnügliche und intelligente Unterhaltung zwischen Sachbuch und Autobiographie. Ich habe mich lange nicht mehr so vergnügt mit einem Buch unterhalten!

A. J. Jacobs: Britannica & ich. Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden. Aus dem Amerikanischen von Thomas Mohr. List, 2006. Pappband mit Schutzumschlag und Lesebändchen. 427 Seiten. 19,95 €.

Richard P. Feynman: Sechs physikalische Fingerübungen

121017246_120fbf6982Laut Vorwort des amerikanischen Originalverlages handelt es sich bei dem Buch um die »sechs einfachsten Kapitel« der »Lectures on Physics«, die unter den Einführungen für Physikstudenten eine Art Kultstatus inne haben. Dass die Originalausgabe dieser Auswahl 1995 erschienen ist, also 30 Jahre nachdem Feynman den Physik-Nobelpreis erhalten hat, zeugt von der ungebrochenen Popularität, die er in den Vereinigten Staaten besitzt. Es gibt zahlreiche Zeugnisse dafür, dass Feynman als akademischer Lehrer und als Persönlichkeit zahlreiche Menschen beeinflusst und tief beeindruckt hat.

Durch die Auswahl sind die Kapitel natürlich wenig miteinander verbunden und auch was den Anspruch an das Verständnis der Leser recht unterschiedlich. Das Büchlein beginnt mit einem Kapitel, das sich auf einem sehr allgemeinen Niveau mit der Tatsache auseinandersetzt, dass die Welt aus Atomen zusammengesetzt ist, es folgt ein Kapitel zur Entwicklung der Quanten- und Elementarteilchenphysik, eines zum Verhältnis der Physik zu anderen Naturwissenschaften – mit einem Schwerpunkt auf der Biologie, mit der sich Feynman im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere ebenfalls intensiver beschäftigt hat –, eines zum Energieerhaltungssatz, eines zur Gravitationstheorie und ein letztes, doch schon recht anspruchsvolles, zur Quantenmechanik und der Heisenbergschen Unschärferelation.

Für naturwissenschaftlich Interessierte, die ihre Schulphysik einmal wieder auffrischen und vielleicht auch etwas erweitern wollen, eine anregende und lohnende Lektüre. Für die allermeisten Nichtphysiker wird der eine oder andere anregende Gedanke oder neue Perspektive abfallen. Mir etwa ist nie zuvor die enge Abhängigkeit zwischen Quantenmechanik und der Unschärferelation auf so einfache und einleuchtende Art klar gemacht worden.

Feynman, Richard P.: Sechs physikalische Fingerübungen. Aus dem Amerikan. von Inge Leipold.
Piper, Sonderausgabe 2004. ISBN 3-492-04665-7
Gebunden – 224 Seiten – 12,90 Eur[D]