Allen Lesern ins Stammbuch (103)

Der Goetheaufsatz war schwer! Uff! Darlegen u. auseinanderfalten ist ja nicht meine Stärke, der ich mehr für Ausdruck u. Stoffvernichtung bin. 20 werden ihn zu Ende lesen, davon 10 sagen: dilettantisch, weil ich kein Privatdozent bin, 8: langweilig, weil es keine Verse sind. Die restlichen 2 sagen: ganz nett, aber ich hätte es besser gekonnt.

Gottfried Benn
an Ewald Wasmuth, 17.12.1931

 

Allen Lesern ins Stammbuch (20)

Heute lag die Abrechnung der VG Wort für das Jahr 2007 mit beigefügtem Scheck im Briefkasten.

Ich veröffentlichte zu meinem vierzigsten Geburtstag eine Berechnung darüber, daß ich bis dahin aus meiner Literatur – „aus der gesamten Holz- und Faserindustrie“ – insgesamt im Durchschnitt monatlich vier Mark fünfzig verdient hätte, und damit war ich in mehrere europäische Sprachen übersetzt, heute wäre der Durchschnitt etwas höher, aber zum Leben auch unter den einfachsten Bedingungen zu gering.

Gottfried Benn

Benn

benn Opulente Bildbiographie Gottfried Benns, die sowohl die altbekannten Porträts in hoher Qualität als auch viel unbekanntes oder zumindest seltenes Material vereint. Der Band dokumentiert das gesamte Leben von der Herkunft aus dem Mansfelder Pfarrhaus bis zum Tod des vereinnahmten und gefeierten Dichters. Der Großteil der begleitenden Texte stammt aus Benns Werken und Briefen – so gleich zu Anfang das wundervolle, aber eher selten zu findende 1886 –; hier und da finden sich auch Urteile oder Kommentare von Zeitgenossen.

Der Band geht mit der politisch zum Teil schwierigen Biographie Benns offen um: Er dokumentiert sowohl Benns naive Begeisterung für den Nationalsozialismus als auch seine späteren Versuche, sich in der Wehrmacht vor staatlichen Zugriffen zu schützen. Immerhin scheinen sich im Jahr 1938 Goebbels und Göring persönlich mit der Frage des Ausschlusses von Gottfried Benn aus der Reichsschrifttumskammer beschäftigt zu haben, ein Akt der Benn umso mehr erschreckte, als er mit der Behauptung von Benns politischer Unzuverlässigkeit verbunden war. Eine solcher Verdacht war durchaus dazu geeignet, Benn auch als Angehörigen der Wehrmacht noch persönlich zu gefährden.

Besonders im zweiten Teil sind die Abbildungen zahlreicher Auto- graphen – Notizen, Reinschriften, aber auch aus Benns Tages- kalendern oder Notizbüchern – erfreulich, die wenigstens einen kleinen Einblick in Benns Arbeitsweise geben.

Insgesamt ein gelungener Band, der als Begleitung oder Ergänzung einer Benn-Biographie durchweg zu empfehlen ist.

Benn. Sein Leben in Bildern und Texten. Zusammengestellt von Holger Hof. Stuttgart: Klett-Cotta, 2007. Leinenrücken, Fadenheftung, Kunstdruckpapier, 280 Seiten mit ca. 450 schwarz-weißen Abb. 59,– €.