Aus dem Zugang (5): Shakespeare

Und wieder ist ein großes Werk vollendet: Vor ziemlich genau 21 Jahren ist mit Romeo und Julia der ersten von neununddreißig Bänden der Shakespeare-Übersetzung Frank Günthers erschienen. Heuer nun beschließt Band 38, Sonette, diese Gesamtausgabe, die ihresgleichen sucht. Sie liefert sowohl die englischen Originaltexte (nach denen des Arden-Shakespeare) als auch eine moderne und nah am Original geführte, kommentierte Übersetzung (fast) aller Texte Shakespeares (The Two Noble Kinsmen fehlt diesmal – wahrscheinlich eine berechtigte Entscheidung–, aber sowas ist beinahe schon gute Tradition deutscher Gesamtausgaben), in jedem Band einen Stellenkommentar, den Werkstattbericht des Übersetzers und einen Essay eines renommierten Shakespearerologen und dürfte damit die am breitesten aufgestellte deutsche Shakespeare-Ausgabe aller Zeiten sein.

Und der Übersetzer hätte es beinahe geschafft, wenn ihn Schicksalsschläge und Krankheit nicht abgehalten hätten, als erster Mensch Shakespeare komplett in eine andere Sprache zu übertragen. Es hat nicht viel gefehlt: Von den 154 Sonetten hat er 22 übersetzt: die Nummern I bis XXI und dazu noch die Nummer LXVI, die in zahlreichen Übersetzungen und Aneignungen in Deutschland als politisches Gedicht Karriere gemacht hat. Er ist auf dem letzten Stück dieses enormen Weges der Übersetzung gestorben.

Der Verlag hat sich auf Empfehlung Günthers hin entschlossen, diesen letzten Band durch die Übersetzungen Christa Schuenkes zu ergänzen, die auf jeden Fall in ihrer Aktualität an die von Günther heranreichen. (Ich selbst hätte mich auch mit einem fragmentarischen letzten Band zufrieden gegeben, aber das soll nur beiseite gesprochen sein.) Wie gut sich diese Übersetzungen halten werden, muss natürlich die Zeit zeigen; ich selbst maße mir nicht an, Lyrik und deren Übersetzung auf diesem Niveau zu beurteilen, weil ich mir auch nicht annähernd eine Vorstellung von der Schwierigkeit dieser Sache machen kann.

Hier wird, wie bisher, immer mal wieder ein Band aus dieser Ausgabe besprochen werden, eben so, wie sie sich in meine Lektüre einreihen.

William Shakespeare: Sonette. Aus dem Englischen übersetzt von Frank Günther und Christa Schuenke. Zweisprachige Ausgabe. Gesamtausgabe Bd. 38. Cadolzburg: ars vivendi, 2021. Geprägter Leineneinband, Fadenheftung, zwei Lesebändchen, 200 Seiten. 33,– €.

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