Die Engländer waren indessen nicht alle einer Meinung.

Das ging rasch! Nachdem ich im Vorwort der neuen Goethe-Biographie bei Beck schon einigen Unfug hatte lesen dürfen, fand ich auf S. 17 folgendes:
„… zu seinem Faust, der in einer spektakulären Bahn «vom Himmel durch die Erde zur Hölle» führt (FA, 7/1, S. 21, V. 242) …“
Trotz der exakten Stellenangabe ist es weder dem Autor – der angeblich Deutsch kann – noch dem Übersetzer noch dem Lektorat gelungen nachzuschlagen – wenn man es als vorgeblicher Goethe-Kenner nicht ohnehin weiß! –, was dort tatsächlich steht. Allein das gestörte Versmaß und die inhaltliche Sinnlosigkeit des „durch die Erde“ hätten alle warnen müssen.
Lese ich also lieber wieder etwas, dem nicht die allgemeine Schlampigkeit des 21. Jahrhunderts anhaftet.
Jeremy Adler: Goethe. Die Erfindung der Moderne. Eine Biographie. München: Beck, 2022. Pappband, Lesebändchen, 655 Seiten. 34,– €.
Der Fehler ist so heftig, dass man fast eine besondere Absicht dahinter vermuten möchte…
Man muss ja für das Zitat noch nicht mal besonders weit lesen.
Man muss ja noch nicht einmal lesen; man muss nur in einer beliebigen Ausgabe den Vers 242 suchen und nachschauen, was da steht. Der Stellennachweis ist ja immerhin korrekt.
Gibt es eine Goethe-Biographie, die Sie empfehlen können?
Ich bin da durchweg unzufrieden, was alle neueren angeht: Boyle, Safranski, Damm (nun gut, die schreibt nur Teilbiographien) taugen durch die Bank nichts. Für die nackten Fackten [sic !] benutzt man „Goethes Leben von Tag zu Tag“ (8 Bde. in der 1990ern bei Artemis erschienen; gibt es auch im Netz), und für eine Lebensgeschichte muss man zurückgehen bis Karl-Otto Conrady: „Goethe. Leben und Werk“ (ursprünglich auch Artemis, 1994, wenn ich mich nicht irre; es gab aber zahlreiche Nachdrucke). Das ist das jüngste, was ich kenne, was einigermaßen etwas taugt. Als reine, überblickartige Werkgeschichte geht auch Albert Meier (https://www.bonaventura.blog/2012/albert-meier-goethe/). Ansonsten am besten die Quellen des frühen 19. Jahrhunderts direkt zur Kenntnis nehmen; mehr haben im besten Fall die Biographen auch nicht getan. Aber das ist natürlich mühsam.
Achja, als Nachklapp fällt mir natürlich noch ein das unverzichtbare „Goethe-Lexikon“ von Gero von Wilpert (Kröner, 1998). Das ersetzt gleich meterweise andere Goethe-Literatur. Eigentlich benötigt man nur das.
Ich danke herzlich!
Es geht mir gerade um einen zuverlässigen, aber noch überschaubaren Lebensabriss als Orientierung vor der Beschäftigung mit den Quellen; werde mich also nach dem Conrady umsehen.