Ariane Ludwig / Jutta Eckle: Goethes »Faust« – ein Lebenswerk

Und immer wieder erweisen sich auch entgegen den festesten Vorsätzen Bücher über Goethe und besonders solche über seinen „Faust“ als unwiderstehlich. So auch dieses sehr fein gemachte Buch, das zahlreiche Beispiele von Handschriften aus allen Entstehungsphasen des „Faust“ sorgsam dokumentiert, transkribiert und ausführlich kommentiert. Das Buch ist in jeglicher Hinsicht anekdotisch und auch so gemeint: Es wird an keiner Stelle der Anspruch erhoben, irgend einen Aspekt der Goetheschen Arbeit am „Faust“ mehr als pars pro toto darzustellen. Dennoch vermittelt der mehr oder weniger chronologische Gang durch den Bestand an Handschriften einen guten Gesamteindruck der sporadischen und oft dem erratischen Einfall verpflichteten Arbeitsweise Goethes, der es verstanden hat, die Lücken zwischen den jeweils dem Einfall verdankten Passagen adäquat zu füllen.

Man muss nicht unbedingt Literaturwissenschaftler sein, um den Band mit Genuss zu lesen, aber Grundkenntnisse der Editionswissenschaft dürften beim Verständnis des Kommentars hilfreich sein. Ein sehr schönes und angenehmes Lesebuch, das sich auch gut episodisch lesen lässt.

Ariane Ludwig und Jutta Eckle: Goethes »Faust« – ein Lebenswerk. Ausgewählte Handschriften zur Entstehung. Göttingen: Wallstein, 2026. Pappband, Fadenheftung, Lesebändchen, 158 Seiten. 18,– €.